Du siehst aber auch gar nicht deutsch aus

Eingetragen bei: Blog | 1

„Woher kommst du denn?“

„Deutschland.“

„Nein, wo du geboren bist, meinte ich.“

„Deutschland.“

„Na..oh ach so..“

Immer wieder darf ich die Erfahrung machen, dass viele denken: „Wer nicht deutsch aussieht, kann doch eigentlich kein Deutscher sein“.
Inzwischen habe ich gelernt, dass der Rassismus in allen Kreisen und Schichten vorkommt, dass er, zumindest hier in Sachsen, noch so allgegenwärtig ist, dass viele ihn gar nicht mehr wirklich wahrnehmen. Allein schon Worte wie Fidschi und Neger gehen einigen leicht über die Lippen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es vielleicht jemanden stören könnte.
Es ist irgendwie erschreckend, dass ich selbst gewisse Ausdrücke schon beinahe nicht mehr als rassistisch ansehe, da sie so alltäglich sind. Vielleicht ist es aber auch nur Selbstschutz. Damit mich so etwas nicht immer wieder schmerzlich trifft.
Wenn ich abends allein durch die Straßen gehe überkommt mich jedoch beinahe jedes Mal ein mulmiges Gefühl, wenn ich an der sogenannten Nazi-Kneipe vorbei gehe oder durch das Viertel laufe wo angeblich viele Rechtsextremisten wohnen.
An dieser Stelle könnte man sich einreden, dass sicher nichts passiert. Aber für absolute Sorgenfreiheit sieht und hört man zu oft von Opfern rechtsextremer Gewalt.
Meine ersten diskriminierenden Erfahrungen an die ich mich erinnere stammen aus der Grundschule. Damals hat mich so etwas noch sehr getroffen aber mit der Zeit habe ich mich damit abgefunden. Abgefunden damit, dass ich nicht deutsch aussehe und das dies, zumindest hier in Zwickau, oftmals zu Ausgrenzungen führt.
Ob das jetzt Gut oder Schlecht ist möchte ich nicht festlegen.
Aber wohl eher Zweiteres.
Letztens hat mich jemand gefragt ob ich stolz auf mein Land sei.
Wenn man Deutscher ist wird Landesstolz für gewöhnlich gleich mit Nationalsozialismus gleich gesetzt, denn dunkelhäutige Nationalsozialisten gibt es nicht. Daher wird man grundsätzlich erst einmal blöd angeschaut wenn man als Dunkelhäutiger Deutscher sagt das man stolz auf sein Land ist.Ich selbst würde es wahrscheinlich nicht sagen. Natürlich bin ich froh darüber in einem reichen Land, ohne Krieg und mit einfachen Möglichkeiten zur Bildung, aufgewachsen zu sein. Aber ich habe, zu mindest hier in meiner Heimatstadt, nie das Gefühl gehabt, vollkommen als Deutsche akzeptiert zu werden.

Manchmal frage ich mich „Was müsste ich denn also tun um in die gesellschaftliche Definition „Deutscher“ zu passen?“, aber nach der Definition einiger, würde da wohl nur eine Veränderung des Aussehen etwas bewirken.

One Response

  1. Nick Lange

    Schöner Artikel über das “anders” aussehen!

    Ich kenne das Problem des “an Begriffe gewöhnen” selbst ziemlich gut, und ich schäme mich jedesmal dafür, wenn mir so etwas passiert, sehr.

    Schön, es mal so nieder geschrieben zu sehen.

Hinterlasse einen Kommentar